• Simone Tschopp

PROBLEM ODER EINSCHRÄNKUNG | Nicht alle Wände haben eine Türe

Bei einem Problem suchen wir eine Lösung. Bei einer Einschränkung suchen wir einen konstruktiven Umgang.

VIELE WEGE FÜHREN NACH ROM

Wir gehen davon aus, dass es für ein Problem immer eine oder mehrere Lösungen gibt. Die Lösung liegt jedoch nicht immer auf einem direkten, logischen Weg und führt auch nicht immer zum Ziel. Um bei der Lösungssuche schneller auf einen nützlichen Pfad zu gelangen, ist es sinnvoll, zwei Problemarten beziehungsweise Lösungsansätze zu unterscheiden: das Problem und die Einschränkung.


Bildlich können Sie es sich so vorstellen: Beim Problem gibt es in der Wand eine «Lösungstüre», die wir finden können. Bei der Einschränkung gibt es keine Türe und wir müssen nach anderen Wegen suchen. Einschränkungen können sein: eine unüberwindbare Tatsache, ein Verhalten einer anderen Person, eine unveränderbare Situation – alles, was wir nicht direkt beeinflussen können.


ZWEI BEISPIELE

  • Ein Ziel: Ich möchte Pilot werden. Ein «Problem» ist: Ich kann die Disziplin nicht aufbringen, um für die Aufnahmeprüfung zu lernen. Eine «Einschränkung» ist: Meine Sehkraft ist zu gering, um zur Pilotenausbildung zugelassen zu werden.

  • Ein Ziel: Ich möchte ruhiger arbeiten. Ein «Problem» ist: Ich prüfe ständig E-Mails und wende mich von der Arbeit ab. Eine «Einschränkung» ist: Meine Bürokollegin hat Telefondienst und das Telefon klingelt ständig, was mich von der Arbeit ablenkt.

Wo liegen in den Beispielen die Lösungen verborgen?

  • Bei einem Problem gibt es direkte Lösungen, welche uns dem Ziel näherbringen. Wir können selbst aktiv werden und etwas verändern.

  • Bei der Einschränkung hingegen gibt es erstmals nur indirekte Lösungen, nämlich einen anderen Umgang mit der Situation zu finden und wir gelangen erst indirekt (oder gar nicht) zum Ziel.


ÜBUNG ZUM UMGANG MIT EINSCHRÄNKUNGEN

  1. Einschränkung (an)erkennen | Kann ich meine Lösung direkt beeinflussen? Nein? Dies zu (an)erkennen, kann der Schlüssel sein, um im Lösungsprozess voranzukommen. Wie können Sie die Situation neu interpretieren? Folgende Optionen bringen Sie weiter:

  2. Konstruktiven Umgang finden | Wie können Sie mit der Einschränkung so umgehen, dass Sie trotzdem ein gutes Leben führen können?

  3. Indirekte Wege zum Ziel finden | Welche indirekten Wege entdecken Sie, die Sie trotz der Einschränkung dem erwünschten Ziel näher bringen?

  4. Ein neues Ziel definieren | Welches andere Ziel motiviert Sie ebenfalls? Denken Sie kreativ! Welche ersten Schritte können Sie in diese Richtung machen?

  5. Eigenes Verhalten ändern | Wie können Sie Ihr eigenes Verhalten so ändern, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich beispielsweise eine andere Person so verhält oder verändert, wie Sie es gerne hätten? Experimentieren Sie mit guten Absichten.


TIPPS

  • Für Einschränkungen typisch ist, dass wir erstmals denken, unser Problem wäre gelöst, wenn nur «die anderen» oder «die Situation» oder «der Umstand» sich ändern würden. Das ist meistens schwierig oder unmöglich. Darum lieber die Energie in andere Lösungswege investieren.

  • Bei Einschränkungen müssen wir uns oft mit gefühlten «zweitbesten Lösungen» zufrieden geben. Da hilft ein wertschätzender Umgang, indem man damit Frieden schliesst, anstatt sich daran aufzureiben, dass das «Sehnsuchtsziel erster Wahl» nicht erreicht werden kann.

> Distanz zum Problem schaffen: Externalisieren

> Das erwünschte Ich zum Leben erwecken: Zukunfts-Ich

LösungsParkour

21 Inspirationen

aus dem lösungsorientierten Coaching

zum Entdecken und Kreieren von Lösungen

für Laien und Geübte

Texte von Simone Tschopp

Psychologin & Coach

Illustrationen von Georges Rechberger

freischaffender Künstler

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