• Simone Tschopp

AMBIVALENZ | Die Ambivalenz als Komplizin gewinnen

Man kann den Weg zum Ziel auch MIT Ambivalenz gehen. Das ist sogar schneller und schützt davor, im Kampf gegen die Ambivalenz Kraft und Mut zu verlieren.

WAS IST AMBIVALENZ?

Ambivalenz ist das gleichzeitige Auftreten von widersprüchlichen Gefühlen, Gedanken, Absichten oder Zielen. Sie kann sich wie folgt zeigen:

  • Hin- und hergerissen sein.

  • Zweifel darüber, auf dem richtigen Weg zu sein.

  • Unsicherheit, ob das angestrebte Ziel überhaupt Sinn und Zweck hat.

  • Unentschlossenheit, das Vorgenommene umsetzen zu wollen.

  • Diffuse, innere Konflikte und Widersprüche.

  • Mehrere Ziele, die sich scheinbar nicht vereinbaren lassen.


EIN HÄUFIGER GAST

Bei Problemsituationen – und gerade, wenn wir Lösungsschritte umsetzen möchten – kommt Ambivalenz häufig vor. Sie zeigt sich mit verschiedenen Gesichtern, führt meist ein unberechenbares Dasein und kommt nicht selten just in dem Moment, in welchem wir gut unterwegs sind oder gerade starten wollten. Kann ich sicher sein, dass meine Entscheidung richtig ist? Bin ich 100 Prozent überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der passende ist?


Klassiker sind Vorsätze zum Neujahr. Zum Beispiel: gesünder essen. Die Vernunft sagt: «Ja», der Genuss sagt: «Nein». Es ist Realität: Ambivalenz ist ein häufiger und meist unerwünschter Gast.


WAS KÖNNEN WIR TUN?

Eine typische Reaktion auf Ambivalenz ist: Geh weg! Sie wird vielleicht kurz verschwinden, aber sie wird wieder zurückkehren – früher oder später. Darum stellen wir uns weniger die Frage: Wie bringe ich die Ambivalenz weg? Sondern: Wie gehe ich mit ihr um?


Das heisst: Die Ambivalenz als normal hinnehmen und akzeptieren. Und: Sie so „coachen“ und führen, dass sie zu einer guten Komplizin wird, anstatt eine unberechenbare Widersacherin zu sein..


ÜBUNG ZUR AMBIVALENZ

  1. Die Ambivalenz kennenlernen | Was ist das Wesen Ihrer Ambivalenz? Zwischen welchen Gefühlen, Gedanken und Absichten schwankt sie hin und her? Wann und wie zeigt sie sich? Wann ist sie ruhig oder friedlich? Wann ist sie laut oder störend?

  2. Den Umgang mit ihr erkunden | Was prägt das «Zusammenleben» der Ambivalenz und Ihnen? Wie verhalten Sie sich, wenn sie kommt? Was löst sie bei Ihnen aus? Wie reagieren Sie wiederum darauf?

  3. Das gewünschte, zukünftige Zusammenspiel mit ihr definieren | Was sind Ihre genauen Erwartungen an die Ambivalenz? Wie sieht ein konstruktives und gewinnbringendes «Zusammenleben» im Detail aus? Wofür kann die Ambivalenz gut und dienlich sein? Welche Abmachungen braucht es dazu? Was ist Ihr eigener Beitrag dazu? Was werden Sie in Zukunft anders tun als heute?


TIPPS

  • Skizzieren Sie die Ambivalenz mit ihren widersprüchlichen Eigenschaften oder finden Sie eine passsende Figur für das Wesen der Ambivalenz. Das wird Ihnen helfen, sie besser zu verstehen und mit ihr ein gutes Zusammenleben auszuhandeln (zögern Sie nicht, laut mit ihr zu sprechen). Machen Sie eine schriftliche Vereinbarung für das konstruktive Zusammenleben – mit Unterschrift.

  • Auch in der Rolle als helfende Person ist es wichtig, sorgfältig und wertschätzend mit der Ambivalenz des Gegenübers umzugehen und sie nicht einfach wegmachen zu wollen.

> Einen kühlen Kopf bewahren: Emotionen regulieren > Bei inneren Widersprüchen die Balance halten: Innere Anteile

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Texte von Simone Tschopp

Psychologin & Coach

Illustrationen von Georges Rechberger

freischaffender Künstler

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