• Simone Tschopp

LÖSUNGSSPRACHE | Über Lösungen reden, bringt Lösungen

Worüber wir sprechen, beeinflusst unser gesamtes Erleben. Wollen wir Lösungen finden, hilft eine lösungsorientierte Sprache.

PROBLEM- UND LÖSUNGSSPRACHE

Nicht selten frönen wir der Gewohnheit, über Probleme zu reden, in der Annahme, diese dadurch zu lösen. Dies trifft zu einem Teil auch zu. Es kann Anspannung, Frust oder Traurigkeit lösen – sprich, das Herz befreien. Damit haben wir jedoch noch keine greifbare Lösung in der Hand. Nicht selten wird Beratung, Coaching oder Therapie als Ort verstanden, wo man «über seine Probleme reden kann» (oder muss). Doch Obacht!


Es ist erwiesen, dass wenn wir über ein Problem reden, wir dies gleich nochmals erleben. Kurz gesagt: Wir erleben, worüber wir reden. Darum ist die sogenannte Lösungssprache für die Lösungssuche so wichtig.


Im Buch "LösungsParkour" finden Sie einige Beispiele im Kapitel «Lösungsorientierung versus Problemorientierung».



DAS NETZWERK IM GEHIRN

Ein Beispiel: Erzähle ich jemandem, dass ich mich aufgeregt habe, dann rege ich mich gleich noch einmal auf. Vielleicht stecke ich mein Gegenüber sogar an und ihm kommt auch eine Geschichte in den Sinn, über die es sich aufgeregt hat. Das eine ergibt das andere. Warum ist das so? Weil unser Gehirn ein Netzwerk ist.




Alle «negativen» Dinge sind miteinander verbunden. Reden wir über das eine Ereignis, kommt uns gleichzeitig ein weiteres in den Sinn. Und so weiter ... sozusagen ein Teufelskreis. Dieses Netzwerk können wir aber auch zu unseren Gunsten nutzen. Das Gleiche gilt nämlich für Lösungen. Dann ist es ein «Engelskreis»: Reden wir über Positives, finden wir leichter Lösungen.



ÜBUNG ZUR LÖSUNGSSPRACHE

Lösungsorientierte Fragetechniken zielen alle darauf ab, den Fokus auf Positives und Stärkendes zu richten, damit Lösungen einfacher gefunden werden.

  1. Ausnahme-Fragen | Welche Momente gab es in letzter Zeit, in denen das Problem weniger schlimm war? Welche Zeiten gab es in der Vergangenheit, in denen es so war, wie Sie es gerne (wieder) hätten?

  2. Ressourcen-Fragen | Was ist Ihnen heute bereits Positives gelungen? Was gibt Ihnen die Kraft, so geduldig nach Lösungen zu suchen? Was haben Sie in den letzten Tagen gut gemacht? Was sind Ihre Stärken?

  3. Hypothetische Fragen | Angenommen, es würde morgen besser gehen, an was würden Sie das merken? Was wäre genau anders?

  4. Perspektiven-Fragen | Wenn das Problem einmal gelöst wäre, was würden Sie dann machen, das Sie schon länger nicht mehr gemacht haben?

  5. Lösungsversuchs-Fragen | Welche Lösungsideen haben Sie, die Sie noch nicht ausprobiert haben?

  6. Splitting-Fragen | Auch wenn der aktuelle Zustand nicht einfach ist: Welche guten Seiten gibt es an Ihrer momentanen Situation?

Weitere lösungsorientierte Fragebeispiele finden Sie unter den Fragetechniken.


TIPPS

  • Wenn wir jemandem helfen wollen, Lösungen zu finden, sollten wir Positives, Möglichkeiten, Stärken, Fähigkeiten ins Gespräch bringen. Das fördert positive Gedankenkreise und aktiviert Gehirnnetzwerke, an welche mögliche Lösungsideen geknüpft sind.

  • Die «Netzwerke» sind spürbar und ansteckend (Gefühle, Gedanken, Energie, Stimmung). Sie werden erkennen, ob Sie (oder Ihr Gegenüber) in einem lösungsorientierten «Netzwerk» unterwegs sind oder nicht. Falls nicht, lenken Sie die Aufmerksamkeit auf Positives.

> Die innere Stimme steuern: Selbstgespräche

> Die Kunst der Wertschätzung üben: Würdig

LösungsParkour

21 Inspirationen

aus dem lösungsorientierten Coaching

zum Entdecken und Kreieren von Lösungen

für Laien und Geübte

Texte von Simone Tschopp

Psychologin & Coach

Illustrationen von Georges Rechberger

freischaffender Künstler

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