• Simone Tschopp

ZIELVISION | Wie ist es, wenn es so ist, wie es sein sollte?

Kennen wir das Problem, kennen wir noch lange nicht die Lösung. Aber: Kennen wir das Ziel, können wir sofort erste Lösungsideen entwerfen.

DAS ZIEL IST DER ANFANG

«Z» kommt im Alphabet zwar zuletzt, aber die Zielvision sollte am «A» wie Anfang stehen. Sie bestimmt die Richtung der Lösungsreise. Denn: Von einem Problem wegkommen, heisst nicht zwangsläufig, auch dort zu landen, wo man hinwill. Eine der wichtigsten Fragen ist daher: Wohin soll es gehen?


Um in Problemzuständen erfolgreich zu sein, ist es wichtig, den Fokus auf die gewünschte Zukunft und nicht auf das Problem oder die Ursachen zu richten. Dafür gibt es Gründe:

  • Das Problem kennen wir meist in- und auswendig und eine Lösung haben wir trotzdem nicht gefunden.

  • Oft ist die Vorstellung, wie es ohne Problem sein soll/kann, nur vage vorhanden.

  • Kennen wir das Ziel, können wir sofort beginnen, uns mit ersten Schritten vom Problem zu lösen.

  • Wenn das Problem einmal gelöst ist, interessieren wir uns in der Regel nicht mehr für das Problem oder seine Ursachen, sondern geniessen das bessere Leben.

Steve de Shazer brachte es auf den Punkt: «Wenn Sie in einem brennenden Hochhaus sind, fragen Sie auch nicht: Wie ist der Brand entstanden? Sondern: Wo ist der Notausgang?»


DAS ZIEL ALS ANGENEHME VORSTELLUNG

Das Wort «Ziel» kann zuweilen Widerstände oder Druck auslösen. Dann sprechen wir besser von «erwünschter Zukunft». Hauptsache ist, dass eine genaue Vorstellung, ein gutes Gefühl, ein erfreuliches Bild oder eine konkrete Beschreibung dessen entsteht, wohin es gehen soll. Anstatt zu fragen: «Was ist Ihr Ziel?», kann eine sanfte Zielfrage sein: «Was wäre ein guter Zustand, der gerne so bleiben darf?»


Auch fantastische Zielvisionen oder Wunschträume sind von grossem Wert für die Lösungssuche. Widerstehen Sie unbedingt der Verlockung, diese mit der rationalen Keule in «anständige» Ziele zu zwängen. Durchsuchen Sie lieber die «wilden» Visionen nach kleinsten Elementen, die jetzt schon realisierbar sind – und setzen Sie diese Visionsteilchen um. Sie werden staunen!


ÜBUNG ZUR ZIELVISION

  1. Wohin soll es gehen? | Woran würden Sie merken, dass Sie eine positive Veränderung oder Entwicklung gemacht haben? Wie wäre es, wenn es (etwas) besser ist? Woran würden Sie merken, dass Ihr Problem gelöst ist?

  2. Wie ist es dort genau? | Was ist dann anders als jetzt? Wie handeln Sie, denken Sie, fühlen Sie, wenn Sie das Gewünschte erreicht haben? Wie wird es Ihr Umfeld merken, dass eine positive Veränderung stattgefunden hat?

  3. Wie geht es dorthin? | Welche Schritte bringen Sie dem Erwünschten näher? Was brauchen Sie zuerst? Was kommt danach? Was gibt Ihnen Energie, Mut und Vertrauen? Wer kann Sie unterstützen?


TIPPS

  • Je deutlicher die Vorstellung der erwünschten Zukunft ist, desto besser lassen sich Lösungsideen ableiten und umsetzen.

  • Wenn sich Ihr Ziel vorerst als ein «Vermeidungs-Ziel» präsentiert (z. B. nicht mehr rauchen, keine Angst mehr haben), dann stellen Sie sich die Frage: Was soll stattdessen sein? Erkunden und definieren Sie dann ein «Annäherungs-Ziel», indem Sie sich die Fragen stellen: Was wird anstelle des Problems sein? Was kommt hinzu (wenn das Problem weg ist)?

  • Es kann Sinn machen, sich an «smarten» Zielen zu orientieren: spezifisch, messbar, akzeptierbar, realistisch, terminiert. In Krisensituationen ist mit solchen Ansprüchen Vorsicht geboten. Dies kann enormen Druck erzeugen, weil die Situation schlicht zu komplex ist. Sinnvoller ist es dann, als erste „Ziele“ sanft auf Aspekte wie Mut, Kraft und Zuversicht zu fokussieren.

> Herausforderungen voraussehen: Auswirkungen > Den Blick auf Möglichkeiten richten: Lösungsfokus

LösungsParkour

21 Inspirationen

aus dem lösungsorientierten Coaching

zum Entdecken und Kreieren von Lösungen

für Laien und Geübte

Texte von Simone Tschopp

Psychologin & Coach

Illustrationen von Georges Rechberger

freischaffender Künstler

© 2020 Klinik Selhofen | www.selhofen.ch