• Simone Tschopp

BRILLENWECHSEL | Lösungen liegen im Auge des Betrachters

Probleme lassen sich auch lösen, indem wir den Blickwinkel wechseln. Die Situation bleibt gleich, die Betrachtungsweise ändert.

ANDERER BLICK, NEUE LÖSUNGEN

«Ein Problem braucht eine Lösung», ist eine vernünftige Einstellung. «Eine Tat oder eine Veränderung muss her», ist ein natürlicher Reflex. Manchmal funktioniert das nicht wie gewünscht. Dann haben wir eine weitere Option: Brille wechseln. Das heisst? Wir schauen «das Problem» aus anderen Augen an und es verändert sich.


Ein Beispiel: Eine Person ist zu 50 Prozent angestellt, glücklich mit der Arbeit, zufrieden mit dem Lohn. Es stellt sich heraus, dass sie immer Überzeit machen muss, um alle Aufgaben zu erledigen, obwohl sie bereits effizient arbeitet. Je länger je mehr stört es sie: «Ich arbeite mehr als ich angestellt bin. Die Aufgabenmenge ist zu gross, die Qualität will ich beibehalten, aber die Stellenprozente darf ich nicht erhöhen.» Mist! Was tun? Ein Brillenwechsel könnte helfen: «Wer sagt, dass ich unbedingt in 50 Prozent durchkommen muss? Die Tätigkeit macht mir Freude, der Lohn stimmt, ich mache wertvolle Arbeit und bezwecke Gutes damit – also kann ich damit Frieden schliessen, ein Stück Freizeit dafür zu opfern und werde mich in Zukunft während der Überzeit gelassen fühlen.»


AUF DIE IDEE KOMMEN

Oft müssen wir zuerst darauf kommen, von der «Problembrille» zur «Lösungsbrille» zu wechseln. Häufig vergessen wir schlicht diese Option als mögliche Problemlösungsstrategie. Denn nicht selten sind wir durch den Problemzustand wie paralysiert und suchen wie versessen – mit besten Absichten – den rettenden Lösungsschritt. Wir sind darauf fixiert, dass irgendwo der «Veränderungshebel» zu finden ist. Vielleicht ist er nur zu gut versteckt, denken wir, und tauchen immer weiter in die Situationsanalyse ein.


Da braucht es zuweilen einen Impuls (von aussen), damit wir den Blick anheben und uns daran erinnern, einfach mal die Brille zu wechseln – und zu erkennen: Eine Neuinterpretation der Situation bringt die Lösung.


ÜBUNG ZUM BRILLENWECHSEL

  1. Aktuelle Wahrnehmung der Situation | Was sehen Sie, wenn Sie Ihre Situation wahrnehmen? Was stört Sie, was belastet Sie, was sollte sich ändern? Würdigen Sie sich selbst für alles, was Sie schon ausprobiert haben, um die Situation zu verbessern.

  2. Brille wechseln und Blickwinkel ausprobieren | Treten Sie einen Schritt zurück und betrachten Sie die Situation aus Distanz. Wie können Sie die Gegebenheit anders betrachten? Welche positive Sichtweise können Sie einnehmen? Probieren Sie verschiedene Blickwinkel aus und erkunden Sie, was sich gut anfühlt. Es kann hilfreich sein, wenn Sie sich in die Perspektive einer Person versetzen, die Ihnen wohlgesinnt ist (Freund, Chefin, Arbeitskollege, Nachbarin, Vertrauensperson) und so verschiedene Blickwinkel auszuprobieren.

  3. Neuinterpretation der Situation | Wie können Sie die Situation durch eine lösungsorientierter Brille neu beurteilen? Welchen Merksatz können Sie daraus ableiten? Welche neue Einstellung gegenüber der Situation können Sie finden? Was bewirkt eine Verbesserung des Wohlbefindens?


TIPPS

  • Ein Brillenwechsel kann angeregt werden durch positive Fragen: Was mache ich bereits gut? Welche Stärken habe ich? Was gelingt mir? Wo leiste ich Ausserordentliches? Was tut mir gut? Was gefällt mir?

  • Sie können den «Brillen-Trick» auch real mit einer dunklen und einer hellen (rosa) Sonnenbrille durchspielen. Lassen Sie sich überraschen.

> Den Strahl der Aufmerksamkeit lenken: Lösungsfokus

> Unüberwindbare Wände umgehen: Problem oder Einschränkung

LösungsParkour

21 Inspirationen

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für Laien und Geübte

Texte von Simone Tschopp

Psychologin & Coach

Illustrationen von Georges Rechberger

freischaffender Künstler

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