• Simone Tschopp

AUSWIRKUNGEN | Was liegt hinter dem Zielhügel?

Alles hat Wirkung – auch das Erreichen von Zielen. Je besser wir diese Auswirkungen kennen und vorbereiten, desto stärker wird die Anziehungskraft des Ziels.

IN DIE ZUKUNFT SCHAUEN

Lösungsfokussiertes Arbeiten orientiert sich an Zielen (Wie soll es sein?) und nicht an Ursachen (Warum ist es so?). Das Hauptinteresse liegt darin, das erwünschte zukünftige Leben zu ergründen und herauszufinden, wie es Schritt für Schritt in die richtige Richtung geht. Sinnvollerweise schenken wir der Ausarbeitung von Zielen dabei grosse und sorgfältige Beachtung – sonst tappen wir ohne Ausrichtung im Dunkeln.


ÜBER DAS ZIEL HINAUSBLICKEN

Ein klares Ziel ist wichtig, unangefochten. Was zusätzlich ebenso wertvoll ist und häufig vergessen geht, ist die Frage: Wie wirkt es sich wohl auf mein Leben, mein Umfeld, meine Beziehungen aus, wenn ich das Ziel erreicht habe? Sprich, wir schauen über den Zielhügel hinaus zum Horizont und prüfen, ob das Ziel unangenehme Folgen bringen könnte.



Ein Beispiel: Ein Mann hat ein Suchtproblem und sein Ziel ist, suchtfrei zu leben. Er hat das grosse Glück, einen verständnisvollen Arbeitgeber zu haben. Wenn er zu spät kommt, wird ihm verziehen. Erscheint er mal gar nicht, drückt man ein Auge zu. Wie wäre es, wenn er suchtfrei wäre? Hätte der Arbeitgeber andere Erwartungen an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit? Womöglich. Wird er diese Ansprüche erfüllen können? Das Ziel ist zwar wunderbar, aber die daraus folgenden Konsequenzen sind aus dieser Perspektive wohl nicht nur motivierend. Ein Dilemma, welches das Voranschreiten auf dem Lösungsweg ins Stocken bringen kann – so als wäre gleichzeitig der Vorwärts- und Rückwärtsgang eingelegt. Wer clever ist, beugt dem vor und fragt sich schon am Anfang: Was sind mögliche Auswirkungen, wenn ich das Ziel erreiche? Das gilt selbstverständlich für alle möglichen Ziele.


Positive, erwünschte Auswirkungen sind uns vorwiegend klar. Sie bestimmen schliesslich die Attraktivität des Ziels mit. Negative, unerwünschte Auswirkungen liegen meist nicht so offensichtlich auf der Hand. Schlummern solche Befürchtungen jedoch unbewusst in uns, können diese subtil unser Fortschreiten in Richtung Ziel hemmen. Darum ist es gewinnbringend, wenn auch manchmal etwas unangenehm, das Licht auf diese möglichen «Folgekosten» zu richten und sich zu fragen: Wie kann ich ihnen vorbeugen oder konstruktiv damit umgehen, wenn sie eintreffen würden?


ÜBUNG ZU AUSWIRKUNGEN

  1. Was sind erwünschte Auswirkungen? | Was erwarten Sie, wie wird es sich positiv auf Ihr Leben auswirken, wenn Sie Ihr Ziel erreichen? Welche erwünschten Konsequenzen hat es auf Ihren Alltag?

  2. Was sind unerwünschte Auswirkungen? | Welche negativen Auswirkungen könnten eintreffen, wenn Sie das Ziel erreichen? Was könnte Ihren Alltag erschweren und Sie herausfordern, belasten oder stressen?

  3. Konstruktiver Umgang mit unerwünschten Auswirkungen | Wie könnten Sie mit den befürchteten Auswirkungen umgehen, wenn diese eintreffen würden? Erkunden Sie vorzeitig Strategien und Lösungsmöglichkeiten, um negative Überraschungen oder unerwünschte «Bremser» auf dem Weg zu vermeiden.


TIPPS

  • Machen Sie sich nicht konfus mit massenhaft unerwünschten Auswirkungen. Beschränken Sie sich auf zwei bis drei, für welche Sie sich Strategien bereitlegen.

  • Wenn Sie erwarten, dass Ihre Ziele auf Ihr Umfeld «negative» Auswirkungen haben, sprechen Sie diese bei den betroffenen Personen an. Informieren Sie diese über Ihre guten Absichten und besprechen Sie, wie Sie gemeinsam konstruktiv mit den neuen Herausforderungen umgehen oder diese gar vermeiden können.

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Texte von Simone Tschopp

Psychologin & Coach

Illustrationen von Georges Rechberger

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